Bombenalarm


Es war die Top-Immobilie am Düsseldorfer Hafen, die die beiden am frühen Freitagabend betraten. Im Eingangsbereich glitzerten die silbernen Armaturen. Weiße Lounge-Möbel und Riesen-Kronleuchter taten ihr übriges, um dem Besucher den Ort von Geld, Macht und Einfluss zu offenbaren. Sie wussten, dass sie in den 14. Stock fahren müssten. Dort, wo sie einen perfekten Rundum-Blick über ganz Düsseldorf und ihren Termin haben würden. Sie grüßten freundlich die Mitarbeiter am Empfang, die professionell zurück grüßten, doch sie zugleich misstrauisch begutachteten. Es war ihnen klar, dass sie schon aus rein optischen Gründen nicht hierher gehörten. Auch sonst nicht, aber sie hatten nirgendwo anders mehr ihren Termin bekommen, den sie vor der großen Reise nach Asien jedoch dringend wahrnehmen mussten. Aus diesem Grund waren sie nun hier. Als sie die Taste mit der Nummer 14 im Aufzug drücken wollten, kam die Dame vom Empfang auf sie zu gerannt und rief: „Halt, halt, wo wollen Sie denn hin?“ „In die Kanzlei, im 14. Stock. Wir haben da einen Termin.“ Sie schaute sie erneut abschätzend von oben bis unten an, entschied dann jedoch, sie gehen zu lassen. „Gut, ich muss Ihnen den Fahrstuhl aber erst freischalten. Moment bitte.“ Sie hielt ihre Karte, die sie um den Hals trug, vor den Scanner und tippte eine fünfstellige Geheimnummer ein, dann drückte sie auf die 14. Anschließend drehte sie sich wortlos um und ließ die beiden alleine im Aufzug. „Puh. Ganz schön streng, die Gute. Gott sei Dank hat sie uns nicht durchsucht, sonst hätte sie die Bombe entdeckt.“ Er sagte nichts, verdrehte nur seine Augen. Keine Sekunde später stoppte der Lift ruckartig, doch die Tür öffnete sich nicht. „Was ist denn jetzt los?“ „Keine Ahnung. Ich glaube, wir sind stecken geblieben.“ „Oh nein, nicht auch das noch. Wir müssen hier raus, bevor der Terror hier gleich losgeht.“ Sie zeigte auf das Bündel, das um ihren Bauch und die Brust geschlungen war. „Ja, ich weiß. Ich drück mal auf den Notknopf. Irgendwer wird uns hier schon rausholen.“ Sie standen schweigend da und starrten auf den nun blinkenden, roten Knopf, auf den das Wort „Notfall“ gedruckt worden war. Kurz darauf bewegte sich der Aufzug wieder. Sie atmeten auf. „Gut, wir haben es überlebt. Jetzt dürfte ja nichts mehr schief gehen.“ „Denke ich auch.“ Doch als sich die Tür öffnete, standen dort mehrere bewaffnete Männer in Uniform. Einer davon schrie sie an. „Keine Bewegung. Hände hoch und dann langsam aus dem Aufzug kommen. Einer nach dem anderen.“ Sie wussten nicht, wie ihnen geschah. War das die Versteckte Kamera oder was wurde hier gespielt? Fassungslos starrten sie auf die bewaffneten Menschen. Der Mann wurde nun aggressiver. „Ich sagte Hände hoch!“ Sie taten wie befohlen. Doch als sie die ruckartige Bewegung an ihrem Oberkörper bemerkte und das dazugehörige vertraute Geräusch, ließ sie intuitiv die Arme fallen, um sich ihrer Rolle hinzugeben. So war das nun mal mit den Instinkten. Dagegen konnte man sich nicht wehren. Sie nahm schnell ihr Baby aus dem Tuch, um ihm zu zeigen, dass sie da sei. Zu spät begriff sie, was sie damit anrichtete. „Hände weg von der Bombe!“ In dem Moment fiel der Schuss. Auf einmal sah sie überall Blut. Ihr Mann schrie so merkwürdig auf, wie sie ihn noch nie zuvor gehört hatte. Es war ein Schrei aus tiefster Verzweiflung heraus. Und dann sah sie es: das Blut, das aus dem Körper ihres Babys floss. Das kleine Bündel, das sie zur falschen Zeit in die falsche Richtung gehoben hatte und somit den Schuss des SEK-Beamten, der für die Mutter gedacht war, in die Quere gekommen ist, war nun vollkommen leblos.

Düsseldorf, 18.02.2016
Drama in Düsseldorfer Nobel-Kanzlei: Baby durch SEK erschossen, weil es für Bombe gehalten wurde. Eltern wollten beim Notar die Vaterschaft anerkennen lassen, doch wurden sie dort fälschlicherweise für Terroristen gehalten, weil sie das Wort „Bombe“ im Aufzug genutzt hatten.

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Happy start


Statt eines Textes, gibt es heute nur ein Foto. Ich wünsche euch allen einen wunderbaren Start in die neue Woche. Möge sie ebenso farbenfroh für jeden von euch aussehen, wie diese bunten Straßenstühle Vietnams.

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Happy Message


Ihr Lieben,

während ich mich nach und nach im faszinierenden Vietnam akklimatisiere, stehen die Projekte in Deutschland nicht still. Ich wurde als eine unter zehn Personen für das Happy Message-Projekt ausgewählt. Wenn ich im April wieder in Deutschland bin, wird das Video-Interview mit mir gedreht werden. Hierzu eine kleine Info von den Organisatoren:

Die Medien sind voll von Schlagzeilen und Berichten, die uns oft verunsichern und in Angstzustände versetzen. Diese negative Stimmung beeinflusst alle Systeme und Bereiche unseres Lebens und verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Mit unserem “Happy Message Projekt“ wollen wir dem entgegen wirken und positive Botschaften verbreiten.
Machen Sie mit!

Wer sich dafür interessiert und mehr Informationen erhalten, bzw. sich das Vor-Video ansehen möchte, kann über nachfolgenden Link schon so einiges erfahren:

https://www.startnext.com/happy-message

In diesem Sinne wünsche ich euch schon jetzt ein Happy Weekend und verabschiede mich mit ein paar Impressionen aus Vietnam 🙂

Eure Anna Avital

Going to Vietnam


Ihr Lieben,

in zwei Tagen werde ich bereits in Vietnam sein, wo ich bis April bleiben werde, um in einem Yoga-Aschram zu leben und mein neues Buch, welches teilweise dort spielen wird, zu Ende zu schreiben.

Im Moment kann ich noch nicht sagen, in welcher Form ich in dieser Zeit Internet-Zugang und Zeit haben werde, um meinen Blog weiter mit neuen Beiträgen zu „füttern“. Ich werde mein bestes versuchen, weiterhin wöchentlich zu posten – kündige aber hiermit schon mal vorsorglich an, dass dies eventuell nicht immer möglich sein wird.
Dennoch hoffe ich, dass Ihr mir als Leser erhalten bleibt, denn im April bin ich wieder voll und ganz da 🙂

Bis dahin wünsche ich Euch allen eine traumhafte Zeit mit vielen schönen, neuen und spannenden Erfahrungen, Eure Anna Avital

Das, was uns bleibt


Was uns bleibt
ist der innere Drang
der uns antreibt

Haben wir aufgegeben
folgt der Zwang
lässt Energien neu aufleben

Liegen wir am Boden
hilft er uns heraus
aus den Dürreperioden

Was ist es bloß
diese starke Macht
die uns gibt den Anstoß

Das sind wir
ganz allein
unser Lebenselixier

Darauf können wir zählen
in den Zeiten
in denen wir uns quälen

Das was uns bleibt
ist die Liebe in uns selbst
die das Leben beschreibt

 

Bist du happy?


„Bist du eigentlich happy?“ fragte Susi den Mann, den sie nicht mal eine Minute  kannte. Sie hatten gemeinsam an der Haltestelle gestanden und auf den wieder mal verspäteten Bus gewartet. Als er endlich kam, ließ er ihr den Vorrang mit den Worten: „Geh du vor. Es regnet doch. Ich bin alt und kann das aushalten.“

Susi war gerade mal zwölf Jahre alt, der Mann bestimmt schon über 80. Er setzte sich ihr gegenüber, so dass sie ihn ansehen konnte. Sein Gesicht war narbig und er hatte Segelohren. Beim Sprechen hatte sie bemerkt, dass er nur noch einen Zahn hatte. Das rechte Bein zog er hinter sich her. Seine Hände und Kleidung waren dreckig, die Schuhe zerfetzt. Sie konnte nicht anders, als zu fragen: „Bist du happy?“. Er lächelte sie an, so als wäre diese Frage ganz normal und als hätte er damit gerechnet. „Meinst du, weil ich so aussehe, als wäre ich es nicht?“ Sie nickte.

„Ich bin nicht der Schönste, wurde schon damals in der Schule wegen meiner Segelohren geneckt. Als Kind habe ich Bombensplitter ins Gesicht und Bein bekommen, während diese meine Mutter unweit vor mir und meinen Augen getötet hat. Mein schwer verletzter Vater, der mich nach dem Krieg alleine groß ziehen musste, war so mit seiner Traumatisierung beschäftigt, dass er mir nicht mal beigebracht hat, wie ich meine Zähne zu putzen hatte. Daher habe ich auch nur noch einen. Ich bin nie reich geworden, weil ich immer zu hässlich war für die perfekte Welt da draußen, in der nur die Hübschen eine Chance bekommen. Seitdem wohne ich auf der Straße. Du kannst es ja sicherlich sehen und riechen. Die Leute wenden sich seit jeher von mir ab, sie haben Angst vor mir. Aber jetzt gerade bin ich happy. Und zwar nicht wegen der Menschen da draußen, die mich meiden, meiner Einsamkeit oder meines erfolglosen Lebens, in dem ich täglich ums Überleben kämpfe. Nein, ich bin es, weil es Kinder wie dich gibt, die sich für mich interessieren und mich fragen, ob ich glücklich bin.“

Dann stieg er aus dem Bus aus. Susi drehte sich noch einmal um und winkte ihm durch die Fensterscheibe zu. Er lächelte zurück.

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