Du bist schuld – Teil 64


Vier Jahre vor der Schuld
Berlin:

Ellie wusste, sie würde ihn immer mehr verlieren. An die Drogen und an all die schlechten Einflüsse, die er so spannend fand in seiner Künstlerdaseins- und Selbstzerstörungsphase. Mit Worten konnte sie ihn nicht mehr erreichen. Sie bewirkten eher das Gegenteil. Maurizio war nur noch genervt von ihr, ihren ständigen Tränen und Bitten. Selbst wenn sie vor seinen Augen zusammenbrach, sich selbst durch ihr Flehen erniedrigte, machte er sich lustig über sie. Tat so, als würde sie eine Show abziehen. Als sie sich kennenlernten, war er der erste Mensch gewesen, der sie sah, wie sie wirklich war. Doch auf einmal blickte er sie nicht mehr an. Es schien, als wollte er sie nicht mehr sehen, und das war das Schlimmste, was er ihr hatte antun können.

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Du bist schuld – Teil 63


Als sie nach draußen sah, entdeckte sie zu ihrer linken Seite einen Fahrradfahrer. Er war weit entfernt, denn der Weg verlief einige hundert Meter neben den Groden. Sie runzelte ihre Stirn. „Das kann doch nicht sein“, dachte sie sich. „Jetzt denke ich schon so viel an Maurizio, dass ich ihn schon wieder überall sehe. Erst auf dem Schiff, jetzt hier. Das muss aufhören!“ Der Fahrradfahrer schien genau in ihre Richtung zu schauen. Er war allerdings so weit entfernt, dass Ellie kein Gesicht erkennen konnte. Sie sah dunkle Haare, so wie Maurizio sie hatte, und von der Körpergröße und Statur hätte er es auch sein können. Aber das war nicht möglich! Er wusste nicht, dass sie hier war. Während sie den Fahrer weiter beobachtete, achtete sie darauf, ruhig ein- und auszuatmen und sich gedanklich auf andere Dinge zu konzentrieren. Zu sich selbst sagte sie: „Nur weil jemand dunkle Haare hat, handelt es sich dabei nicht gleich um deinen Ex-Freund. Da kämen ja Millionen Männer in Frage.“ Aber noch während sie den Kopf über ihre eigene Dummheit schüttelte, hob der Fahrradfahrer auf einmal eine Flagge in die Höhe. Jetzt blieb ihr der Atem stehen. Sie erkannte es sofort: Es war die sardische. „Nein, das darf nicht wahr sein!“, dachte sie sich. „Das kann einfach nicht Maurizio sein! Es muss ein Zufall sein!“ Doch ihre Hände verkrampften sich in ihren Hosenbeinen, auch wenn ihr Kopf ihr befahl, sich zu beruhigen.

 

Du bist schuld – Teil 62


„Gott sei Dank, habe ich eine Sonnenbrille auf“, dachte sie sich. Denn steuern konnten sie ihre tränenreichen Ausbrüche schon lange nicht mehr. Egal, wo sie war, an jedem noch so unpassenden Ort fing sie an zu weinen. Ellie war eine traurige, einsame Seele, die viel zu oft verletzt und alleingelassen worden war. In Jahren, in denen sie Hoffnung hatte, dass sich das ganze Kämpfen irgendwann lohnen würde und sie endlich für ihre Einsamkeit und ihre Trauer belohnt werden würde. Doch dieser Tag kam nie. Wenn Träume zerplatzen, an denen man sich jahrelang festhält und aus denen man seine ganze Energie schöpft, ist nicht viel, was übrig bleibt, außer einer unendlichen Erschöpfung und Sinnlosigkeit weiterzuleben.
Während sie versuchte, ihre Tränen heimlich unter der Brille zu trocknen, fragte sie sich, wie lange das wohl noch dauern würde, dass ihre Wunden endlich heilten. Sie befürchtete, dass sie wohl für immer große Narben hinterlassen würden. Und ihre allergrößte Angst war, dass sie nie wieder solche Gefühle empfinden könnte für irgendeinen Mann. Dass sie immer an Maurizio denken würde, egal, was er ihr auch angetan hatte, ihn weiterhin vergöttern würde, obwohl sie wusste, dass er nicht der Richtige für sie war. Mit einem lauten Hupen und einem Rucken und Zucken wurde sie aus ihren düsteren Gedanken gerissen. Die Inselbahn fuhr los, ganz langsam und gemächlich zog sie sich durch das Naturschutzgebiet, durch die Außengroden. Der Ausdruck „die Groden“, das hatte sie nachgelesen, kam vom englischen „to grow“ – wachsen. Hier handelte es sich um eine besonders geschützte Pflanzen- und Tierwelt, in die die Menschen nicht eindringen dürfen. Dass die Inselbahn dort ab und zu durchfuhr, hatten die Vögel akzeptiert. Man fand Millionen von ihnen, die dort brüteten, von einer langen Reise pausierten und sich ausruhten. Ellie genoss die Fahrt durch dieses wunderschöne Naturspektakel. Sie vernahm nur noch Meeresrauschen und Vogelgezwitscher, keinen Lärm. Was könnte es Schöneres geben? Die pure Natur hatte ihr schon mal so sehr geholfen, damals auf Sardinien, als Maurizio und sie ihre letzte Chance ergriffen hatten. „Nicht schon wieder an ihn denken“, ermahnte sie sich selbst. „Du denkst jetzt nur noch an dich.“ Sie straffte ihre Schultern, lächelte, trocknete die letzten Tränen und freute sich auf ihr neues Leben, in dem sie zu ihrer alten Stärke zurückfinden wollte. So wie damals, als sie Maurizio kennengelernt hatte und er sich unsterblich in sie verliebt hatte.

Sophie braucht Hilfe


Ihr Lieben,

in den letzten 14 Tagen wurde mein Roman „Sophie & die Suche nach Glück“ 1.136 Mal verkauft. Das alles habe ich eurem Einsatz zu verdanken, also vielen, vielen Dank an jeden von euch. Der Wettbewerb läuft allerdings noch bis zum 15.09. weiter und bis dahin bin ich weiterhin auf eure Unterstützung angewiesen. Derzeitig gibt es das Buch zum einmaligen Sonderpreis von € 2,99. Ich freue mich über eure Likes, euer Post-Teilen, eure Empfehlungen an Freunde und Bekannte, eure Käufe & Rezensionen, die ebenso wichtig für mich sind, um ins Finale zu kommen.

Vielen Dank für eure Hilfe, eure Anna Avital

Cover Sophie & die Suche nach Glück

Du bist schuld – Teil 61


Nachdem sie das Schiff verlassen hatte, folgte sie den anderen Passagieren zu der roten Eisenbahn, der Inselbahn. Es waren um die hundert andere Personen mit ihr auf der Fähre gewesen. Erstaunlich für eine Insel, die gerade mal circa 1300 Bewohner hatte. Sie tat es den Mitreisenden gleich, setzte sich in das Zugabteil und wartete auf die Abfahrt. Hier, das merkte sie sehr schnell, hatte Zeit eine andere Bedeutung. Während sie so da saß, entdeckte sie ein Schild, das draußen an einem Holzmast angebracht war. Es trug die Aufschrift: „Gott schuf die Zeit, von Eile hat er nichts gesagt.“ Ellie musste schmunzeln und in sich hineinlächeln bei diesem Gedanken. „Wie schön. Das ist genau das richtige Motto für mich“, dachte sie sich. „Das, was ich jetzt gebrauchen kann, ist Ruhe und Zeit für mich, um mich endlich selbst wiederzufinden.“ Was ihr schon auf der Fähre aufgefallen war, war die Tatsache, dass sich anscheinend viele Passagiere bereits kannten. Ein wildes Durcheinandergerede von Insulanern und auch Touristen, die wohl immer wieder auf diese Insel kamen, unterstützte ihre Vermutung. Schon beim Vorstellungsgespräch hatte der Direktor ihr erzählt, dass gewisse Familien bereits seit Jahrzehnten immer wieder hierherkämen. So würde das Urlaubsdomizil quasi an die nachfolgenden Generationen weitervererben. Ganze Großfamilien kamen: Großeltern, Eltern, Kinder und Enkelkinder. Jedes Jahr besuchten sie diese wunderschöne Insel, auf der man so gut abschalten und entschleunigen konnte. Ellie selbst war vor ihrem Gespräch noch nie hier gewesen, und sie wunderte sich über die Schönheit Wangerooges, den weißen, fast karibisch anmutenden Sandstrand und die unberührte Natur. Was sie gelernt hatte in den letzten Monaten, war, sich selbst genau zu beobachten und ganz intensiv in sich hineinzuhorchen. Nun sah sie im Zugfenster ihr verschmitztes Lächeln. Darüber freute sie sich und dachte: „Oh Mann, was geht es mir gerade gut. So gut ging es mir seit Jahren nicht mehr.“ Doch schon in dernächsten Sekunde stiegen ihr wieder die Tränen in die Augen. Was hatte sie alles mitgemacht für ihn, ihre große Liebe, von der sie immer nur enttäuscht worden war. Und was hatte sie verloren? Alles hatte sie verloren, vor allem sich selbst. Sich selbst, ihr Selbstvertrauen, ihr Selbstwertgefühl und den Sinn des Lebens. Aber so schnell gab sie nicht auf. Schon in den letzten Jahren hatte sie gezeigt, was für eine Kämpferin sie war. Maurizio hatte immer zu ihr gesagt: „Du kämpfst immer um alles, wie eine Löwenmutter um ihr Baby. Du bist so stark.“ Und dieses Mal, das hatte sie sich selbst geschworen und versprochen, würde sie für sich selbst kämpfen und für niemand anderen da sein als einfach nur mal für sich selbst. Damit sie das Glück und den Sinn des Lebens wiederfinden würde, ihre Lebensfreude, ihre positive Energie, die all ihre Freunde und die Menschen, die sie traf, so sehr an ihr schätzten. Nie mehr wollte sie sich so schlecht fühlen, so unwichtig und so ungeliebt wie während der letzten Jahre. Wertloser noch als diese elenden Drogen. Rauschmittel, die in ihrem Leben eine große Rolle spielten, obwohl sie sie selbst nicht konsumierte.

 

Du bist schuld – Teil 60


Zwei Wochen vor der Schuld
Wangerooge:

Ellie hatte Maurizio schon lange Zeit vor ihrer Trennung verloren. Wahrscheinlich war er nie wirklich da gewesen, an ihrer Seite, in ihrer Beziehung. Außer vielleicht in den ersten zwei Jahren. Sich das einzugestehen, war bitter. Ihr war jetzt bewusst, dass sie in all den Jahren in einer extremen Abhängigkeit zu Maurizio gelebt hatte, die sie nicht leicht ablegen konnte. Er fehlte ihr so sehr! Dennoch war ihr Drang, wieder zu sich zu finden und sich nicht mehr erniedrigen zu lassen, größer.

Für sie war es immer klar gewesen, dass er der Mann an ihrer Seite war, der, den sie heiraten würde. Ihm zu Liebe brachte sie sich selbst Italienisch bei, weil er immer nur schimpfte auf die blöden deutschen Nazis. Und darauf, dass Ellie nicht seine Sprache sprechen könne und ihn und seine Kultur nicht verstehen würde. Sie fragte ihn und bat ihn darum, ihr seine Muttersprache beizubringen. Aber das war ihm zu anstrengend ‒ wie so vieles andere auch. Deshalb lernte sie es selbst, aus Angst davor, ihre große Liebe zu enttäuschen und eines Tages zu verlieren. Und jetzt saß sie alleine auf der Fähre. Startete in ein neues Leben. Ohne ihn, ohne ihre große Liebe. Nichts war mehr wahr. Nichts war mehr, wie es mal gewesen ist.

 

„Sophie & die Suche nach Glück“ als Taschenbuch


Ihr Lieben,

ab heute gibt es meinen neuen Roman „Sophie & die Suche nach Glück“ nicht nur in der Kindle-Version, sondern auch als Taschenbuch. Wer also lieber Bücher auf die nicht-virtuelle Art lesen möchte, der folge einfach dem Link. Alles Liebe, Anna Avital

Cover Sophie & die Suche nach Glück

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