Du bist schuld – Teil 137


Ellie verließ den Behandlungsraum und betrat ihr Zimmer, um ihre Aufzeichnungen fortzuführen, die sie mittlerweile im Geiste an Marisa schrieb, damit sie sich nicht so einsam fühlte.
Was für eine Show. Oh Mann, du glaubst es nicht, wie gut ich war: ich sollte einen Oscar bekommen. Selbst so ein exzellenter Psychiater wie Professor Münch merkt nicht, was mit mir los ist. Auf dem Weg der Besserung … Bla, bla. Was für ein Geschwafel ich hier von mir geben muss, damit ich eine Chance habe, hier bald rauszukommen. Aber das Hotelwesen war wirklich eine gute Schule, Marisa. Das weißt du ja selbst. Auch wenn man einen schlechten Tag hatte oder zu Hause die Welt unterging, haben die Gäste das zu keinem Zeitpunkt bemerkt. Stattdessen haben sie immer ein Lächeln von mir bekommen und tolle Geschichten gehört, auch wenn in mir selbst alles wütete. Und so ist es jetzt auch. Am liebsten hätte ich ihm von dem erneuten Vorfall heute früh erzählt, aber dann wäre ich wieder die „Verrückte“ gewesen. Nein, den Fehler mache ich nicht nochmal. Ich will keinen einzigen weiteren Tag ans Bett gefesselt werden.
„Ich verstehe, dass Sie das machen müssen, Herr Professor.“ Was für eine gequirlte Grütze ich ihm da gerade erzählt habe. Natürlich habe ich dafür überhaupt kein Verständnis. Solch eine Methode nenne ich Freiheitsberaubung! Aber wenn ich wieder aufmüpfig werde, passiert genau das, was ich verhindern will. Deshalb habe ich ihm auch nichts erzählt. Wenigstens habe ich die Möglichkeit, meine Gedanken heimlich aufzuschreiben. Dieses ganze Drama für mich zu behalten, fällt mir unendlich schwer und ist ein Riesenkampf. Das Niederschreiben macht es etwas erträglicher. Heute früh vor dem schlimmen Ereignis, war ich noch relativ entspannt, da bis zu dem Zeitpunkt nun tatsächlich schon seit Längerem nichts mehr passiert war. Und dass es mir wirklich besser ging, war ja auch nicht gelogen. Wahrscheinlich ist es wirklich so, wie der Professor sagt. Man arrangiert sich mit der Situation. Aber ich habe mich Gott sei Dank noch nicht voll damit abgefunden. Und kämpfe weiter. ICH WILL HIER RAUS, und deshalb wird es nie passieren, dass ich akzeptieren werde, hier eingesperrt zu sein. Aber nun zu heute früh: ich muss das hier niederschreiben, um es mir selbst erneut bewusst zu machen…

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