Du bist schuld – Teil 168


„Ich sehe mich selbst am Strand, aber ich bin nicht alleine dort. Außer mir ist da noch ein Brautpaar. Sie sehen so glücklich aus.“ Tränen rannen nun aus ihren Augen die Wangen herunter.
„Mit langsamen Schritten gehe ich auf das Brautpaar zu und überreiche dem Mann eine Postkarte. Es ist die Karte aus Mallorca. Die, mit der Kathedrale La Seu abgelichtet. Danach drehe ich mich um und renne raus ins Wattenmeer, das mehr und mehr unter den zurückkehrenden Wellen verschwindet. Ich höre nichts mehr, sehe nur noch die Wasserfluten auf mich zurollen. Es ist auf einmal klar, dass ich nie mehr zurückkehren werde, denn der Tod ist meine einzige Erlösung.“
Nur noch ein leises Flüstern.
„Was habe ich getan?“

 

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Du bist schuld – Teil 167


Im ersten Moment verstand sie es nicht. Schob es auf die Tabletten, die sie ihr wahrscheinlich heimlich verabreicht hatten. Erneut durchlebte sie verschiedene Situationen der Vergangenheit, in denen sie Maurizio und sich selbst als Hochzeitspaar sah. Der Professor versuchte sie mit seinen Worten immer wieder in den Raum zurückzuholen.
„Weiter so. Sie müssen jetzt dadurchgehen, egal, wie schwer es Ihnen fällt. Sie sind auf dem richtigen Weg. Lassen Sie es zu! Was sehen Sie? Wer läuft auf das Meer hinaus? Was machen Sie wirklich auf dieser Insel? Warum sind Sie hier? Wer ist Maurizio?“ Von den vielen Fragen wurde ihr übel und das Summen auf ihren Ohren wurde immer lauter und fordernder. Doch plötzlich riss sie ihre Augen auf, starrte den Professor wie hypnotisiert an und begann zu erzählen.

 

Du bist schuld – Teil 166


Der Professor stand auf und holte etwas von seinem Schreibtisch, was er ihr überreichte. „Probieren wir es hiermit. Erklären Sie mir, was sie sehen und vor allem, warum Sie sich umbringen wollten?“ Seine Worte hallten wie ein Echo immer wieder in ihren Ohren. Auf einmal wurde es klarer. Sie sah nach unten, auf die Postkarte aus Mallorca, die in ihren zittrigen Händen lag: „Du bist schuld!“ Doch die Schrift verschwamm mit einem Mal. Und da erkannte sie plötzlich den Fehler. Das, was sie sah, war nicht Maurizios Schrift, sondern ihre eigene.

 

Du bist schuld – Teil 165


„Sie wissen doch, dass es kein Zurück mehr gibt. Egal wie sehr Sie sich dagegen wehren. Die Wahrheit lässt sich nicht ewig verleugnen. Bitte tun Sie uns beiden den Gefallen und hören Sie in Ihr Innerstes. Versuchen Sie sich zu erinnern. Was verrät Ihnen dieses Foto? Sie sind so kurz davor, die echte Realität zuzulassen. Trauen Sie sich. Ich bin bei Ihnen und stehe an Ihrer Seite. Nehmen Sie Ihren Mut zusammen.“ Ellie ging im Zimmer auf und ab und versuchte, ihre Gedanken zu sortieren, schlug sich dabei immer wieder mit den Händen gegen den Kopf.
Da ist etwas. Aber was?

 

Du bist schuld – Teil 164


Sechs Monate nach der Schuld
Wangerooge:

Das Foto in ihren Händen nahm ihr den letzten Funken Verstand.
„Die beiden als Paar… das kann nicht sein. Marisa konnteMaurizio nicht leiden. Deshalb haben wir ja auch keinen Kontakt mehr. Das hier ist ein gefälschtes Bild. Es ist lächerlich. Als wenn ausgerechnet diese beiden Menschen heiraten würden. Im Übrigen konnte er sie ebenso wenig leiden. Das war sogar mehr, es grenzte fast schon an Hass, weil sie immer schlecht über ihn sprach. Wie Feuer und Wasser. Am Ende unserer Ausbildung in Bernkastel-Kues sprachen sie kein einziges Wort mehr miteinander. Und ausgerechnet die sollen jetzt geheiratet haben? Niemals! Sie wissen doch ganz genau, dass ich bis vor Kurzem noch mit Maurizio zusammen war und er die Trennung nicht verkraftet hat. Das ist totaler Quatsch. Was soll diese Show hier? Erst soll ich mich umgebracht haben und jetzt stellen Sie die beiden Erzfeinde als liebendes Paar dar. Ist es eine Form Ihrer Therapiemethode? Nicht besonders wirkungsvoll dieser ganze Zirkus hier! Also machen Sie dem ganzen bitte ein Ende.“

 

Du bist schuld – Teil 163


13 Jahre vor der Schuld

„Warum rätst du mir von Maurizio ab, Marisa? Was hast du gegen ihn?“
„Ach, komm schon, Ellie. Er ist einfach ein Egoist, der dir nicht gut und dich nur ausnutzt. Hat er jemals was für dich getan? Du bist blind vor Liebe! Merkst ja nicht mal, wie sehr du dich von Tag zu Tag veränderst. Verbringst deine Zeit nur noch mit ihm, anstatt auch mal Freunde zu treffen. Warum wohl? Ist er dann vielleicht wieder mal eifersüchtig? Macht er dir eine Szene, ein schlechtes Gewissen? Spielt er seine Psycho-Spielchen mit dir, damit du ihm hörig wirst?“
„Du bist unfair! Ich verbringe halt gerne Zeit mit ihm, weil ich ihn liebe. Das ist genauso normal, wie bei dir. Schließlich verbringst du doch auch jede freie Minute mit deinem Freund. Nur bei mir ist es dann nicht erlaubt?“ Marisa lachte voller Sarkasmus auf.
„So ein Quatsch, aber mach du deine eigenen Erfahrungen. Du willst es ja nicht sehen.“ Ellie wurde langsam wütend.
„Was meinst du damit, ich will es nicht sehen? Ach, lass gut sein, okay?! Das macht ja echt keinen Sinn mit dir. Ich liebe ihn, und daran gibt es nichts Verwerfliches. Oder bist du einfach nur eifersüchtig und gönnst mir mein Glück nicht? Ist das das Problem?“
„Du spinnst doch. Der Typ hat dir echt dein Hirn vernebelt. Aber, ja klar, du liebst ihn … Mach doch nur einmal die Augen auf und fang an zu sehen! Von mir aus lauf in dein Verderben. Ich hab da keine Lust mehr drauf.“
Mit diesen Worten drehte sie sich um und verließ ihre besondere Freundschaft, die sie einmal gehabt hatten.

 

Du bist schuld – Teil 162


„Warum ist das nicht echt? Glauben Sie, das Foto, das Sie in der Hand halten, ist echt?“
„Nein, ich weiß, dass das Ken und Barbie sind, aber das hier … Das kann einfach nicht sein.“
„Weshalb? Sagen Sie mir, wieso das nicht sein kann?“ Nun schrie sie ihre Verzweiflung und den aufgekommenen Wahnsinn heraus: „Weil das auf dem Foto Marisa ist und nicht ich!“