Du bist schuld – Teil 182


Eine Woche vor der Schuld
Wangerooge:

Sie lief am Meer entlang. Die Sonne schien und ließ das blaue Meer funkeln. Der Wind war so stark, dass ihr die Haare immer wieder ins Gesicht fielen und leichte Sandböen über den weiß glitzernden Strand zogen. Mit einem Mal lief sie los. Rannte und rannte und rannte. Normalerweise joggte sie nicht, hasste es sogar regelrecht. Doch dieses Mal war es anders. Eine ganze Stunde lief sie, ohne auch nur einmal außer Atem zu kommen. Es war eher das Gegenteil. Je weiter sie lief, desto mehr spürte sie, dass sie Luft bekam. Sie fühlte die Kraft des Meeres und nahm sie auf, als wäre sie selbst ein Teil des Ozeans. Mit einem Mal stoppte sie und lachte, wie sie es schon lange nicht mehr getan hatte. Ihre Ausgelassenheit drückte das aus, wie sie empfand: sie war unfassbar glücklich und stark in diesem Moment. So laut sie nur konnte, brach das Lachen aus ihr heraus. Niemand außer ihr konnte sie hören. Und da wusste sie es: An diesem Ort würde sie sich endlich befreien von all ihren düsteren Dämonen, Gedanken und Erinnerungen. Hier würde sie bleiben und hier würde sie sterben. Sie hatte es endlich geschafft. Dann schrie sie all den Schmerz der letzten Jahre heraus. Der Wind trug ihre Worte auf das Meer hinaus, wo sie in der Unendlichkeit des Wassers verschwanden und verstummten.
„Ich bin frei! Ich bin frei! Ich bin frei!“

 

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