Ein Teil vom ICH


Hey du, ja du. Komm her, hör mir zu. Eine Geschichte gibt es zu erzählen. Doch gib Acht. Diese Zeilen sind keine Pracht.

Hast du schwache Nerven, wirst du sie nicht überstehen. Sie handelt von einem Teil vom ICH, der, der mir ward komplett entwischt.

Nach jahrelangen Quälereien ging er einfach weg. Und was blieb, war nur ein leerer schwarzer Fleck.

„Du kannst doch nicht gehen“, schrie ich ihn an. Doch er wollte mich nicht verstehen, ebenso wie all die Jahre lang. Keiner von uns wollte gehen und diesen Scherbenhaufen ansehen.

Doch es ging nicht mehr weiter. Lebensaufgabe bestand in Qual. Muss man sich denn selbst aufgeben, nur um den anderen Teil vom ICH zu leben?

Kann der Schmerz die Sünde sein, wenn er doch so sehr gewollt? Dürfen die anderen dir sagen, du darfst DAS nicht länger ertragen?

Kannst du noch selbst zu dir stehen, wenn der Teil vom ICH wird gehen? Tiefe Leere, schwarzer Schein, keine Freude wird mehr sein.

Der Teil vom ICH musste gehen, weil die Kraft nicht mehr reichte für den weiteren Kampf. Doch nun? Was hab ich gewonnen? Bin ich nun reicher? Spüre ich mich wieder selbst? Bin ich glücklich?

Der Teil vom ICH ist weg und mein ICH wird es nie wieder geben. Warum konnten wir nicht einfach nach gemeinsamen Glück streben?

Nun ist es zu spät. Alles was bleibt, ist der andere Teil, der so allein gelassen keinen Schritt mehr geht.

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Bombenalarm


Es war die Top-Immobilie am Düsseldorfer Hafen, die die beiden am frühen Freitagabend betraten. Im Eingangsbereich glitzerten die silbernen Armaturen. Weiße Lounge-Möbel und Riesen-Kronleuchter taten ihr übriges, um dem Besucher den Ort von Geld, Macht und Einfluss zu offenbaren. Sie wussten, dass sie in den 14. Stock fahren müssten. Dort, wo sie einen perfekten Rundum-Blick über ganz Düsseldorf und ihren Termin haben würden. Sie grüßten freundlich die Mitarbeiter am Empfang, die professionell zurück grüßten, doch sie zugleich misstrauisch begutachteten. Es war ihnen klar, dass sie schon aus rein optischen Gründen nicht hierher gehörten. Auch sonst nicht, aber sie hatten nirgendwo anders mehr ihren Termin bekommen, den sie vor der großen Reise nach Asien jedoch dringend wahrnehmen mussten. Aus diesem Grund waren sie nun hier. Als sie die Taste mit der Nummer 14 im Aufzug drücken wollten, kam die Dame vom Empfang auf sie zu gerannt und rief: „Halt, halt, wo wollen Sie denn hin?“ „In die Kanzlei, im 14. Stock. Wir haben da einen Termin.“ Sie schaute sie erneut abschätzend von oben bis unten an, entschied dann jedoch, sie gehen zu lassen. „Gut, ich muss Ihnen den Fahrstuhl aber erst freischalten. Moment bitte.“ Sie hielt ihre Karte, die sie um den Hals trug, vor den Scanner und tippte eine fünfstellige Geheimnummer ein, dann drückte sie auf die 14. Anschließend drehte sie sich wortlos um und ließ die beiden alleine im Aufzug. „Puh. Ganz schön streng, die Gute. Gott sei Dank hat sie uns nicht durchsucht, sonst hätte sie die Bombe entdeckt.“ Er sagte nichts, verdrehte nur seine Augen. Keine Sekunde später stoppte der Lift ruckartig, doch die Tür öffnete sich nicht. „Was ist denn jetzt los?“ „Keine Ahnung. Ich glaube, wir sind stecken geblieben.“ „Oh nein, nicht auch das noch. Wir müssen hier raus, bevor der Terror hier gleich losgeht.“ Sie zeigte auf das Bündel, das um ihren Bauch und die Brust geschlungen war. „Ja, ich weiß. Ich drück mal auf den Notknopf. Irgendwer wird uns hier schon rausholen.“ Sie standen schweigend da und starrten auf den nun blinkenden, roten Knopf, auf den das Wort „Notfall“ gedruckt worden war. Kurz darauf bewegte sich der Aufzug wieder. Sie atmeten auf. „Gut, wir haben es überlebt. Jetzt dürfte ja nichts mehr schief gehen.“ „Denke ich auch.“ Doch als sich die Tür öffnete, standen dort mehrere bewaffnete Männer in Uniform. Einer davon schrie sie an. „Keine Bewegung. Hände hoch und dann langsam aus dem Aufzug kommen. Einer nach dem anderen.“ Sie wussten nicht, wie ihnen geschah. War das die Versteckte Kamera oder was wurde hier gespielt? Fassungslos starrten sie auf die bewaffneten Menschen. Der Mann wurde nun aggressiver. „Ich sagte Hände hoch!“ Sie taten wie befohlen. Doch als sie die ruckartige Bewegung an ihrem Oberkörper bemerkte und das dazugehörige vertraute Geräusch, ließ sie intuitiv die Arme fallen, um sich ihrer Rolle hinzugeben. So war das nun mal mit den Instinkten. Dagegen konnte man sich nicht wehren. Sie nahm schnell ihr Baby aus dem Tuch, um ihm zu zeigen, dass sie da sei. Zu spät begriff sie, was sie damit anrichtete. „Hände weg von der Bombe!“ In dem Moment fiel der Schuss. Auf einmal sah sie überall Blut. Ihr Mann schrie so merkwürdig auf, wie sie ihn noch nie zuvor gehört hatte. Es war ein Schrei aus tiefster Verzweiflung heraus. Und dann sah sie es: das Blut, das aus dem Körper ihres Babys floss. Das kleine Bündel, das sie zur falschen Zeit in die falsche Richtung gehoben hatte und somit den Schuss des SEK-Beamten, der für die Mutter gedacht war, in die Quere gekommen ist, war nun vollkommen leblos.

Düsseldorf, 18.02.2016
Drama in Düsseldorfer Nobel-Kanzlei: Baby durch SEK erschossen, weil es für Bombe gehalten wurde. Eltern wollten beim Notar die Vaterschaft anerkennen lassen, doch wurden sie dort fälschlicherweise für Terroristen gehalten, weil sie das Wort „Bombe“ im Aufzug genutzt hatten.

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Bist du happy?


„Bist du eigentlich happy?“ fragte Susi den Mann, den sie nicht mal eine Minute  kannte. Sie hatten gemeinsam an der Haltestelle gestanden und auf den wieder mal verspäteten Bus gewartet. Als er endlich kam, ließ er ihr den Vorrang mit den Worten: „Geh du vor. Es regnet doch. Ich bin alt und kann das aushalten.“

Susi war gerade mal zwölf Jahre alt, der Mann bestimmt schon über 80. Er setzte sich ihr gegenüber, so dass sie ihn ansehen konnte. Sein Gesicht war narbig und er hatte Segelohren. Beim Sprechen hatte sie bemerkt, dass er nur noch einen Zahn hatte. Das rechte Bein zog er hinter sich her. Seine Hände und Kleidung waren dreckig, die Schuhe zerfetzt. Sie konnte nicht anders, als zu fragen: „Bist du happy?“. Er lächelte sie an, so als wäre diese Frage ganz normal und als hätte er damit gerechnet. „Meinst du, weil ich so aussehe, als wäre ich es nicht?“ Sie nickte.

„Ich bin nicht der Schönste, wurde schon damals in der Schule wegen meiner Segelohren geneckt. Als Kind habe ich Bombensplitter ins Gesicht und Bein bekommen, während diese meine Mutter unweit vor mir und meinen Augen getötet hat. Mein schwer verletzter Vater, der mich nach dem Krieg alleine groß ziehen musste, war so mit seiner Traumatisierung beschäftigt, dass er mir nicht mal beigebracht hat, wie ich meine Zähne zu putzen hatte. Daher habe ich auch nur noch einen. Ich bin nie reich geworden, weil ich immer zu hässlich war für die perfekte Welt da draußen, in der nur die Hübschen eine Chance bekommen. Seitdem wohne ich auf der Straße. Du kannst es ja sicherlich sehen und riechen. Die Leute wenden sich seit jeher von mir ab, sie haben Angst vor mir. Aber jetzt gerade bin ich happy. Und zwar nicht wegen der Menschen da draußen, die mich meiden, meiner Einsamkeit oder meines erfolglosen Lebens, in dem ich täglich ums Überleben kämpfe. Nein, ich bin es, weil es Kinder wie dich gibt, die sich für mich interessieren und mich fragen, ob ich glücklich bin.“

Dann stieg er aus dem Bus aus. Susi drehte sich noch einmal um und winkte ihm durch die Fensterscheibe zu. Er lächelte zurück.

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Luft holen


SIE
Ich kann nicht mehr. Warum hilft mir denn keiner? Ich schreie und schreie, bitte die Leute um Hilfe. Doch niemand glaubt mir. Er verfolgt mich. Der, den ich so fürchte. Ich höre seine Schritte, spüre seinen kalten Atem in meinem Nacken. Renne um mein Leben. Jedes Mal, wenn ich die Straße betrete, ist er da. Bin ich zuhause, vermeintlich sicher, steht er draußen. Er beobachtet mich, zieht mich aus mit seinen Blicken. Er zerstört meine Seele, raubt meine Sicherheit. Seit so vielen Jahren mache ich das nun mit. Ich kann nicht mehr arbeiten, traue mich kaum noch vor die Tür. Meine Freunde habe ich verloren, denn niemand hat mir geglaubt. Die Polizei will mir nicht helfen. Sie sagen, es sei niemand da. Doch ich kann ihn fühlen, selbst nachts. Er steht in meinem Zimmer, starrt mich an. Ich traue mich nicht zu atmen oder mich zu bewegen. Ich beobachte ihn, bis er im Morgengrauen wieder verschwindet. Ich habe Angst, dass er irgendwann aus seiner Ecke hervortritt, mir zu nahe tritt.

Schon wieder eine Nacht ohne Schlaf. Tiefe Augenränder und blasse Haut starren mich aus dem Spiegel an. Ich bin so allein mit meiner Angst, niemand ist mehr da. „All die Jahre verfolgt dich angeblich jemand…warum ist dir dann noch nie was passiert?“ Ich konnte es nicht mehr ertragen, diesen Hohn und Spott über mein Leid.
Es ist wieder soweit. Heute muss ich meinen Kühlschrank füllen. Ich gehe raus auf die Straße, da bemerke ich den Schatten hinter dem Baum. Er kommt mir näher, zu nah; eine Hand, die sich auf meine Schulter legt. Ich drehe mich um, um mich von seinen Klauen zu befreien.

Plötzlich sitze ich mit Dutzenden von fremden Menschen gemeinsam an einem runden Tisch. Wir essen. Alles sieht so aus wie in einer Kantine. Doch die Personen, die uns das Essen bringen, tragen weiße Kittel. Ich sehe mich genauer um und erblicke ein Schild. Auf diesem steht St. Katharinen-Psychiatrie – geschlossene Abteilung. Ein unglaubliches Gefühl macht sich in mir breit. Es ist Glück. Endlich bin ich abgeschieden von dem Bösen da draußen. Ich atme ein, ich atme aus, es muss so sein, nach all den Jahren. Ich atme ein, ich atme aus, ich hole Luft, ganz tief Luft. Glück durchströmt meinen Körper. Ich habe einen kurzen, klaren Moment in meinem Leben, bevor mich diese Kraft in das undurchdringliche Dunkel meines Inneren zurückzieht. Ich kann nicht anders, als hineinzugehen und den Alptraum meines Lebens weiterzuleben.

ER
Ich stehe in der Ecke, nahe dem Fuße deines Bettes. Ich kann sehen, wie du mich anstarrst. Wie du versuchst, still zu sein, nicht zu atmen. Um nicht aufzufallen, bewegst du dich nicht. Aber findest du nicht, dass das lächerlich ist? Bald hätte ich laut gelacht ob deiner Naivität. Du kleines dummes Wesen. Ich geh doch nicht weg, nur weil du dich nicht rührst. Deine Angst kann ich riechen. 24 Stunden bin ich bei dir. Ich stehe neben dir, gehe hinter dir, beobachte dich. Alles was du tust, machst du nicht allein. Ich bin beharrlich, aber bilde dir mal nichts drauf ein.

Ich kann nicht ohne dich leben. Du bist meine Obsession. Es gefällt mir, dass du weißt, dass ich da bin. Du bist so allein. Niemand ist an deiner Seite. Und das nur, weil du verrückt bist. Oder bist du es gar nicht? Was meinst du? Bin ich real, bin ich existent? Bin ich wirklich da, immer und überall? Du kennst die Wahrheit, oder? 24 Stunden am Tag ohne Schlaf, nur um dich zu sehen? Was bildest du dir ein? Glaubst du wirklich, du wärst so toll? Kein Wunder, dass dir niemand glaubt. Das klingt doch verrückt. was stellst du dich an, klagst hier rum? Du kannst doch froh sein, dass du nie alleine bist. Viele andere würden sich das wünschen.

Manchmal, wenn ich hinter dir herlaufe, erhöhe ich mein Tempo. Mein Puls rast, während ich dir immer näher komme. Ich spüre, dass du es weißt. Ich liebe deine Panik. Sehe die Gänsehaut und roten Flecken an deinem Hals. Wie du dich hilfesuchend umschaust finde ich entzückend. Ich weiß, dass dir niemals irgendwer glauben wird. Und du weißt es auch.

Mit einer bewundernswerten Ausdauer rennst du vor mir davon. Doch ich bin zäh, glaube mir. Ich höre nicht auf, dich unermüdlich zu „begleiten“. Heute, heute lass ich es drauf ankommen. Es ist mein großer Tag. Ich werde dich berühren, meine Hand auf deine Schulter legen. Und niemand wird es merken außer dir und mir. Ist das nicht schön, wir zwei gemeinsam und du doch so einsam. So tief miteinander verbunden. Ein Schauer der Vorfreude läuft mir über den Rücken. Ich zähle runter bis zu meinem großen Moment: drei, zwei, eins….

SIE
Wie ein Wirbel ziehe ich mich zurück in den Alptraum meines Lebens. Es ist, als würde mich die tiefe Dunkelheit umklammern. Dort, wo ich hineingesogen werde ist nichts außer Einsamkeit, Leere und Todesangst. Ich kann mich nicht wehren und plötzlich stehe ich wieder da. Genau dort, wo mein Alptraum ein jähes Ende gefunden hat. Hinter mir der unheimliche und unbesiegbare Mann.

Wie in Zeitlupe nehme ich seine Hand wahr, die sich langsam auf meine Schulter legt. Ich will schreien, doch ich kann nicht. Meine Stimme erstickt bei jedem Öffnen meines Mundes. Mein Herz schlägt so stark, dass es in meinen Ohren rauscht und meine Adern pochen. Oh Gott, jetzt ist es soweit, er tritt mir zu nahe. Er betritt eine neue Ebene. Er ist nicht mehr „nur“ der Beobachter. Er ist jetzt alles, was ich befürchtet habe. Er ist losgelöst. Es gibt keine Grenzen mehr. Ich drehe mich um, um mich zu befreien. Da steht er und lächelt mich an, als wär er ein alter Bekannter. Ich kenne ihn nicht. Ich weiß nur, dass er jede Nacht in meinem Zimmer steht und auch tagsüber an meiner Seite ist.

Er grinst ganz unverhohlen, nimmt mich in den Arm. Ich bin gelähmt, spüre nur noch meinen Puls. Schweiß bedeckt meinen gesamten Körper und doch zittere ich. Tief in mir drin schreie ich „Hilfe, Hilfe, kann mich denn niemand hören? Warum hilft mir keiner?“ Ein leises liebliches Flüstern erklingt in meinen Ohren: „Du weißt es, nicht wahr mein Schatz? Du weißt was jetzt passieren wird.“ Ich stehe kurz vor einem Zusammenbruch, als er die Umarmung löst, mich stehen lässt und mit einem leisen Kichern davongeht…

ER
Drei, zwei, eins…, ganz langsam lege ich meine Hand auf deine Schulter. Ich koste jede einzelne Sekunde deiner Angst aus. Dein Körper zittert und der Schweiß läuft an deinem Hals herunter. Es amüsiert mich, wie du dich umdrehst und deinen schmerzverzerrten Mund öffnest, ohne auch nur einen Laut von dir zu geben. Aus müden, blutunterlaufenen Augen schaust du mich panisch an. Vielleicht solltest du einfach mal nachts schlafen und mich nicht immer anstarren. Bei dem Gedanken daran muss ich einfach grinsen. Welche Macht ich nun über dich habe. All die letzten Jahre waren schon unbeschreiblich prickelnd, aber nun starten wir in eine neue Ära. Du weißt es. Ich weiß es. Um dir eine Ahnung davon zu geben, schließe ich dich fest in meine Arme und flüstere in dein Ohr: „Du weißt es, nicht wahr mein Schatz? Du weißt was jetzt passieren wird.“

Das Schaudern deines schmalen Körpers wird nun zu einem richtigen Beben. Ist es, weil du auch so freudig erregt bist? Oder hast du solch große Angst vor der Wahrheit? Glaube mir, wenn es jemand herausfinden wird, dann ich. Ich, dein bester Freund, dein einziger Begleiter, dein Fürst, der Tag und Nacht mit dir teilt. In guten wie in schlechten Zeiten…. Doch jetzt lasse ich dir und mir noch ein wenig Vorfreude und verlasse dich. Das erste Mal in acht Jahren, lasse ich dich alleine. Und das Beste daran ist, dass wir beide wissen, dass es so nicht bleiben wird…

SIE
Schwer atmend breche ich zusammen, nachdem er mich auf der Straße zurückgelassen hat. Alleine, das erste Mal seit acht Jahren bin ich wirklich alleine. Er ist einfach so davon gegangen. Wie kann das sein? Warum bin ich ihm so ausgeliefert? Wieso ist er immer an meiner Seite? Berührt mich das allererste Mal, seitdem er in mein Leben getreten ist, um dann einfach so davonzugehen? Ich falle zu Boden, weine und rufe: „Du Schwein, du elendiger Mistkerl. Lass mich endlich in Ruhe!“

Menschenmengen scharen sich um mich. Ich bin am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Jeden, der mir zu nahe kommt, schreie ich an: „Und ihr? Glotzt nur, aber wenn ich euch brauche, ist keiner da. Niemand ist da, niemand ist da! Warum ist nicht wenigstens einer für mich da?“ Meine Fäuste schlage ich mit einer solchen Heftigkeit gegen den Asphalt, dass aus ihnen Blut spritzt. Ich bin hysterisch, so dass ich das Polizeiauto und den Krankenwagen erst bemerke, als sie direkt neben mir Halt machen. Wie in einem Delirium bin ich auf einmal teilnahmslos, nehme keinerlei Geräusche mehr wahr. Ich atme ein, ich atme aus. Ich bin gefangen in einer Luftblase und kann nur noch beobachten. Sie geben mir Spritzen, ziehen mir etwas über den Kopf, binden mir etwas um die Hände und führen mich zu einem Wagen. Was danach geschieht, weiß ich nicht.

Bis ich schließlich in einem kleinen Zimmer aufwache. Es ist spärlich eingerichtet, ein Holz-Bett, ein Tisch, ein Plastik-Stuhl, ein Kleiderschrank. Kein Bild, kein Spiegel, keine Uhr an der Wand. Ich stehe auf und nähere mich der einzigen Tür in diesem Zimmer. Sie ist nicht verschlossen. Als ich auf den Flur hinaustrete, befinde ich mich in einem großen Gebäude mit vielen Stockwerken und einem hohlen Innenraum. Von der Ferne nehme ich Menschenstimmen wahr. Ich nähere mich mit schleppendem Gang diesem Geräuschpegel und öffne eine weitere Tür. Während ich den Raum betrete, nehme ich etwas an der rechten Wand wahr. Nur kurz, aber ich muss mich vergewissern, ob es wirklich wahr ist. Ich schaue noch einmal hin, dieses Mal genauer. Nein, das kann nicht wahr sein. Was ist hier los?

Ich kann es nicht glauben, was ich da sehe. An der Wand hängt ein Schild mit dem Namen St. Katharinen-Psychiatrie – geschlossene Abteilung. Aber das habe ich doch schon einmal gesehen. Doch war das wirklich real? Bin ich an dem einzigen Ort, an dem ich mich in den letzten acht Jahren sicher gefühlt habe. Was wird hier gespielt? Oh Gott, ich verliere meinen Verstand. Denk nach, Julie, denk nach! Was ist passiert zwischen dem Zusammenbruch auf der Straße und dem Aufwachen in dieser Einrichtung? Ich haue mir verzweifelt den Handballen gegen meinen Kopf, immer und immer wieder. Ich will all das hier endlich verstehen. Bin ich vielleicht ohnmächtig? Panik erfüllt mich. Oh Gott, wenn ich gleich wieder zurückgezogen werde in meine furchtbare Realität. Zurück in die Arme dieses Monsters. Beruhige dich, atme ein, atme aus! Vielleicht ist alles ganz anders.

Ich betrete das Zimmer, aus dem die Laute der Stimmen zu mir drängen. Ich suche jemanden, der Licht in mein dunkles Inneres bringen kann. Da, eine Frau im weißen Kittel. „Bitte helfen Sie mir. Wie bin ich hierhergekommen? Was ist passiert?“ Doch die Frau ignoriert mich. Beachtet mich gar nicht. Ich beginne, sie anzuschreien, doch erst als ich sie packe und schüttle, reagiert sie. Auf einmal kommen verschiedene Personen in Kitteln auf mich zu gerannt. Sie halten mich fest. Ich schlage um mich, doch ich habe keine Chance. Es folgt ein Piecks in meinen Arm, danach schwebe ich über den Flur. Ich versuche klar zu denken. Anscheinend trägt man mich zurück in das kleine Eckzimmer. Doch so sehr ich auch kämpfe, ich kann nicht wach bleiben.

Als ich wieder erwache, bemerke ich die Fesseln an meinen Händen und Füßen. Eine Frau steht mit dem Rücken zu mir gewandt. Ich rufe sie, bitte sie um Hilfe. „Bitte, helfen Sie mir. Warum werde ich gefesselt wie eine Schwerverbrecherin? Ich bin das Opfer, kein Täter.“ Die Frau dreht sich langsam zu mir um. Ich erkenne sie und Angst erfüllt meinen ganzen Körper. In Schockstarre sehe ich, wie sich mir das bekannte Gesicht Schritt für Schritt nähert.

ER
„Hallo Süße, damit hast du wohl nicht gerechnet. Ist das nicht schön, dass wir uns so schnell wiedersehen? An deinem heiligen Ort?“
Was für ein Kribbeln ich verspüre. Es ist herrlich, sie da so liegen zu sehen. So ausgeliefert und verloren. Wie sie mich ansieht. Voller Angst und dennoch voller Gedanken.
„Ich weiß, dass du dich gerade fragst, wie das nur alles möglich sein kann. Aber wie sollst du das schon verstehen du einfältiges, kleines Wesen?“
Langsam nehme ich die Langhaar-Perücke ab.
„Hast du dich denn nie gefragt, wie ich in deine Wohnung komme? Wie ich Tag und Nacht bei dir sein kann? Welche Macht ich besitze, um dir selbst hier so nahe zu kommen? Schau dich um. Wir sind ganz alleine. Niemand ist da, um dir zu helfen.“

Ich gehe zu ihrem Bett, streichle sanft über ihre Wange, den rechten Arm und ihre Hand. Sie versucht meiner Berührung auszuweichen, doch sie kann nicht. Sie ist vollkommen wehrlos. Dann kann ich nicht mehr anders. Ich stürze mich auf sie und schüttle ihre Schultern „Denk nach Julie! Denk nur einmal nach! Du weißt es, verdammt nochmal. All die Fragen, all die Rätsel. Du kennst die Antworten. Aber du willst sie nicht sehen. Willst mich nicht sehen. Aber ich bin real. Ich bin hier bei dir. Und ich lasse dich nicht allein. Nie mehr lasse ich dich unbegleitet. Nur du kannst dir selbst helfen. Also besinne dich! Was will ich wohl von dir? Du weißt es doch ganz genau. Höre in dein Inneres! Erinnere dich! Du kennst mich doch schon viel länger. Es war nicht das erste Mal, dass wir uns heute gesehen haben und du weißt das ganz genau.“

„Ja, ich weiß es“ sagt sie mit bibbernder, leiser Stimme. Vier Worte, die mich das pure Glück spüren lassen.

SIE und ER
Ich schließe meine Augen und rufe „Hör auf, hör bitte auf!“ Ich brülle so laut ich kann. Endlich habe ich meine Stimme wiedergefunden. „Sei endlich still. Lass mich in Ruhe!“ Ich weine und schreie. „Oh Gott, lass mich endlich in Frieden. Verschwinde!“

Dann öffne ich langsam die Augen und bemerke, dass ich mir die Ohren zuhalte. Ich liege nicht mehr gefesselt in meinem Bett, sondern befinde mich in einem ganz anderen Zimmer. Es ist vollgestellt mit Büromöbeln. Ich schaue an mir herunter und sitze vollkommen frei auf einem grünen Ohrensessel. Das Mobiliar ist antik. Hohe Decken mit Stuckverzierungen fallen mir ins Auge. Und da sehe ich ihn, in der linken Ecke. Ein fremder Mann. Er dreht sich um zu mir und spricht mit sanfter Stimme: „Sehr gut haben Sie das gemacht. Sehr gut. Das ist der Durchbruch. Wir beide haben es geschafft. Sie haben gekämpft, doch am Ende konnten Sie die Wahrheit nicht mehr verleugnen. Sie wissen jetzt alles, stimmt es?“
„Ja, ich weiß es nun. Doch wie lange war ich hier?“
„Acht Jahre. Diese Zeit haben wir beide immer wieder zusammen verbracht.“
Ich schüttle meinen Kopf.
„So eine lange Zeit? Das ist ja furchtbar. All die Jahre sind verloren.“
Der Mann tritt an mich heran, legt mir seine Hand auf die Schulter.
„Aber es war nicht unnötig. Sie haben den Kampf gewonnen. Sie haben es endlich geschafft. Jetzt beginnt Ihr Leben.“
Ich betrachte meine Hände, den Körper, der so lange nicht zu mir gehörte. Langsam erhebe ich mich von dem Sessel und gehe zu dem großen Wandspiegel mit Goldrahmen.
„Sehr schön, Sie machen das Richtige. Schauen Sie sich genau an.“
Jeder Schritt tut mir weh. Es macht mir Angst, gleich zu sehen, wer ich bin. Ich schaue in den Spiegel. Der Mann fragt mich, was ich sehen kann. Und ich sage es ihm, da ich es endlich wieder weiß und die Wahrheit nun unvermeidlich ist. Tränen laufen mir aus meinen mit roten Äderchen durchzogenen Augen herunter, während ich mehr zu mir selbst, als zu dem Mann sage, der mein Psychiater ist: „Ich sehe mich, Julian Kross. Ich sehe mich, den Freund und Mörder von Julie Albaron.“

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Wenn ich atme…


„Ich konnte nicht mehr atmen“ sagte er, als er mit zitternder Stimme zu ihr sprach, während die Tränen aus seinen grün-braunen Augen schossen. Als sie nach dem „Warum“ fragte, erzählte er ihr eine lange Geschichte von vielen Jahren gegenseitiger Verletzungen. Er wollte, dass sie ihn verstand. Doch sie konnte das nicht zulassen. Mit ihren stahlblauen Augen sah sie ihn an und zitierte Buddha:

„Wenn ich einatme, weiß ich, dass ich einatme, wenn ich ausatme, weiß ich, dass ich ausatme.“

Dann drehte sie sich um und ließ ihn zurück. Allein in seinem Schmerz. Sie konnte kein Mitgefühl empfinden. Denn, was er vergessen hatte, war ihr stets bewusst. Er sprach von ihr, als wäre sie der Tod für ihn.

Alpträume


„Warum schreist du mich an?“ frage ich ihn. Ich versuche ruhig zu bleiben. Doch er kann er es nicht. Schreit mich an, dass mein Freund ein Jammerlappen ist, macht sich über den „Hempfling“ lustig. Meine Schwester mischt sich ein, bittet ihn, still zu sein. Doch er lacht nur. Er scheint verrückt zu werden. Ich tue mir das nicht an, soll sich meine Schwester doch alleine mit meinem verrückt gewordenen Schwager auseinandersetzen. Ich nicht! Mit einem lauten Knall schlage ich die Tür hinter mir zu. Das Geschrei ist noch bis unten ins Treppenhaus zu hören. Mir tut meine Schwester leid, aber ich muss einfach hier raus. Ins Café, auf andere Gedanken kommen. Am Marktplatz hat ein Neues eröffnet. Über fünf Etagen zieht sich das vollständig verglaste Haus. Das werde ich mal ausprobieren.

Kaum habe ich meine Bestellung bei der netten Kellnerin abgegeben, geschieht draußen etwas. Zwei ausländisch aussehende Männer rennen durch die Menschenmenge. „Oh Gott“ rufe ich laut aus, als ich ihre Gesichter sehe. Diese beiden Menschen sind panisch. Ich kann es sofort erkennen. Sie rennen um ihr Leben. Hinter ihnen laufen fünf Männer mit Schlagstöcken. Die Menschenmenge teilt sich, anstatt den beiden Menschen zu helfen. Und im Café ertönt eine Durchsage: „Draußen werden soeben Flüchtlinge gejagt. Wie furchtbar! Wir hoffen jedoch sehr, dass wenigstens die Schlagstöcke muslimisch gesegnet wurden, damit die beiden Männer nicht auch noch ihre Ehre verlieren, wenn sie schon sterben müssen.“ Ich kann es nicht fassen, springe auf, schreie die Leute an, etwas zu tun. Doch in diesem Moment wird eine Granate durch eine Fensterscheibe des Cafés geworfen. Alle gehen in Deckung, auch ich. Kurz darauf fliegen weitere Granaten durch die Fenster. Drinnen und draußen bricht eine Massenpanik aus. Alle Besucher versuchen so schnell wie möglich aus dem Café zu kommen. Ohne Rücksicht auf andere. Niemand sieht mehr, ob er gerade auf einem anderen Menschen herumtrampelt und was links und rechts passiert. Ich bin die Einzige, die nach oben rennt. Ein absurder Gedanke verfolgt mich: „Im Film rennen die Opfer immer nach oben und jedes Mal ist es ihr größter Fehler.“ Doch ich will nicht plattgedrückt werden und laufe deshalb dorthin, wo niemand hin möchte, in die letzte Ecke am oberen Ende.

Es vergehen Stunden, bis sich die Lage beruhigt hat und ich mich unbeschadet aus meinem Versteck hervorwage. Ich renne die vier Stockwerke herunter. Auf meinem Weg sehe ich Körper von Leichen. Überall ist Blut. Es stinkt nach Fäkalien und Verbranntem. Als ich im unteren Bereich ankomme, bemerke ich, dass ich meine Tasche vergessen habe. Alles in mir wehrt sich dagegen, erneut den Weg des Grauens entlang zu laufen. Doch in dieser Tasche ist alles drin, meine Schlüssel, meine Papiere… Ich atme tief ein und aus und renne wieder zurück zu meinem Versteck. Im letzten Stockwerk biege ich um die Ecke. Zu meiner rechten Seite ist ein bodenlanger, roter Samtvorhang aufgehangen, der den Küchenbereich vom Gästebereich abtrennt. Ich sehe Füße darunter. Da steht jemand und dieser Mensch ist nicht tot. Egal, ich renne weiter. Ich will einfach nur noch hier raus und nach Hause. Ich schnappe meine Tasche und laufe wieder zurück. Als ich auf dem Rückweg erneut an dem Vorhang vorbeikomme, sind die Füße weg. Mir wird übel, aber ich laufe weiter. Nach draußen an die frische Luft, einfach nur raus. Draußen angekommen, sehe ich eine reine Verwüstung. Zersplittertes Glas, verletzte, weinende Menschen. Sanitäter und Polizisten, scheinbar ebenfalls komplett überfordert. Wie in Trance bewege ich mich durch die Menge. Niemand scheint mich zu bemerken. Doch ich bemerke jemanden. Ich drehe mich nach hinten. Da sehe ich sie, die Schuhe, die unter dem Samtvorhang gestanden haben. Ein Mann trägt sie und auch er scheint nicht sichtbar für die anderen. Doch ich sehe etwas in seinen Augen. Ich weiß, dass er mich verfolgt. Was will er bloß von mir? Ich renne los, um die nächste Ecke, traue mich nicht, mich noch einmal umzudrehen. Da steht plötzlich meine Freundin Nina vor mir. Gott sei Dank. Ich nehme sie so fest in den Arm, wie noch nie zuvor. Ich bin nicht mehr alleine. Sie ist mein rettender Anker. Nie wieder will ich sie loslassen. Ich flüstere ihr ins Ohr: „Hilf mir. Ich werde verfolgt. Du musst bei mir bleiben.“ Sie nimmt meine Hand und geht mit mir in einen belebten Biergarten. Dort ist es so friedlich, als wäre das alles gar nicht passiert. Die Vögel zwitschern, die Menschen lachen, essen gemeinsam, prosten sich gegenseitig zu. Wir setzen uns auf eine Bierbank. Nina lächelt mich an und sagt „Hier bist du in Sicherheit. Es kann dir nichts passieren. Erzähl mir, was passiert ist.“ Ich merke, wie ich mich so langsam wieder sicher fühle und beginne zu reden. All das Leid, was ich gesehen habe, schildere ich ihr und schließe ab mit den Worten: „Und dann dieser Mann, der mich verfolgt hat… Ich glaube er ist einer der Attentäter, die die Granaten auf unser Café geworfen haben. Ich kann es nicht beweisen, aber ich fühle das.“ Nina starrt mich an, scheinbar gebannt von meinen Erzählungen. Ich drehe meinen Kopf weg von ihr, doch schrecke sofort zurück. Links von mir sitzt mein Verfolger, direkt neben mir, auf meiner Bierbank. Ich weiß nicht, wie lange er dort schon sitzt. Er lächelt mich an. Panisch drehe ich meinen Kopf zu Nina und will schreien. Doch ich bekomme keinen Ton heraus. Sie lächelt mich ebenfalls an und sagt: „Tja, du solltest halt genau aufpassen, welche Freunde du dir aussuchst.“ In diesem Moment weiß ich genau, was auf mich zukommen wird.

Plötzlich wache ich woanders auf. In meinem Bett, schweißnass gebadet. Panisch schaue ich mich um. Doch da ist niemand. Keine Bedrohung mehr. Es war nur ein schrecklicher Traum. Immer und immer wieder sage ich mir das, um mich zu beruhigen. Bevor ich aufstehe, atme ich erstmal tief ein und aus. Auf dem Weg zu meiner Espresso-Maschine geht mir das Geträumte noch einmal durch den Kopf. Mein Puls ist weiterhin erhöht. Während der Espresso nach und nach seinen unwiderstehlichen Duft in meiner Wohnung entfaltet, schalte ich das Radio ein. Ich schütte mir eine Tasse ein und genieße die Musik. Doch nach nur einem Song folgen die Nachrichten.

Gebannt lausche ich den Schlagzeilen des heutigen Morgens:
– Familienstreit eskaliert: Mann bringt Ehefrau um
– Frankreich wählt Rechts
– Erneuter Angriff auf Flüchtlinge
– IS-Anschlag: 15 Menschen sterben
– Freunde von Attentäterin berichten: Sie war so eine nette, lebenslustige Person

Meine Tasse wiegt auf einmal 50 Kilogramm. Ich muss sie fallen lassen, da ich sie nicht mehr halten kann. Und zugleich kommt mir die erschreckende Erkenntnis. Der Alptraum von heute Nacht ist noch lange nicht vorbei…

Liebe ihres Lebens


„I will love you until the day I die.“ Immer wieder diese Worte. Die magischen Worte, die sie einfach nicht losließen. Die Worte, weshalb sie ihn nicht loslassen konnte. Eine Urlaubsbekanntschaft, die zu so viel mehr geworden war, als sie sich jemals erträumt hätte. Die Liebe ihres Lebens. Ihr Ehemann. Ein Ire. Oh Mann, ihre Eltern waren durchgedreht, als sie ihnen gestand, dass sie sich in Luke verliebt hatte und zu ihm nach Irland ziehen würde. Sie versuchten, sie daran zu hindern, an ihre Vernunft zu appellieren. Glaubten, er wolle nur an ihr Vermögen, das sie von ihrem verstorbenen Mann geerbt hatte. Doch keine Chance. Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen. Wie hätte sie anders gekonnt, als zu ihm zu ziehen und diesen wunderbaren Mann zu heiraten? Gar nicht. Sie waren füreinander bestimmt. Sie hatte keine einzige Sekunde gezögert und sie hatte Recht behalten. Das pure Glück. Es hatte sie angesprungen. Endlich hatte sie den Richtigen gefunden. Und noch jetzt sah sie ihm voller Liebe in seine wunderschönen blauen Augen. Sie wollte ihn nicht loslassen, doch er zwang sie dazu. Er drückte sie weiter hinunter ins Moor, das sie nach und nach verschlang und ihr den Atem nahm. Ihre Eltern hatten wohl Recht gehabt, doch sie bedauerte noch in der Sekunde ihres Todes kein bisschen ihre Entscheidung. Es war die schönste Zeit ihres Lebens, mit ihm, ihrem Mann und ihrem Mörder.